Warum wir Euch nerven

Ein sehr persönlicher Blogpost über den Chor, in dem ich singe seit ich ihn vor 5 Jahren mitbegründen durfte. Ein Versuch zu erklären, warum wir tun, was wir tun, und warum die Sache eine Unterstützenswerte ist.

Ungefähr einen Monat nach Veröffentlichung des Beitrages sind wir auf eine Konzertreise nach New York aufgebrochen, die wir überwiegend selbst durch Spendensammeln finanzieren konnten.

Weinrot, weinrot, weinrot – wenn ich so meine Facebook-Chronik durchscrolle, was ich hin und wieder in meinen nie enden wollenden Phasen der Prokrastination durchaus tue, dann leuchtet es mir von überall weinrot entgegen.

Ok, vielleicht ist das Weinrot in meiner Chronik auch überrepräsentiert – schließlich bin ich mit vielen Leuten befreundet, die die gleichen Dinge teilen wie ich – aber krass Mann, egal wo ich hinschaue, werde ich damit berieselt.

Werden wir konkret, wovon spreche ich?

Von Choriosity.

Die meisten, die das lesen, werden schon auf die ein oder andere Art mitbekommen haben, dass ich da in diesem Chor singe, und auch noch mehr als das. Man könnte schon fast sagen „Für diesen Chor brenne“. Und der ein oder andere hat diesen Blogpost vermutlich schon weggeklickt, als er das Wort gelesen hat, denn, wie gesagt, Überrepräsentation…

Aber lasst mich kurz erklären.

Choriosity ist für mich – und für viele andere der Chormitglieder auch – mehr als ein Chor. Es ist sowas wie ein riesen Lebensprojekt, in das wir gerne wahnsinnig viel Zeit investieren und an dem wir wachsen wie blöd. Jeder Einzelne. Zu Choriosity kommt man, weil man singen will – und für manche bleibts dabei. Aber viele erkennen, dass sie hier nicht nur so sein können, wie sie sind, sondern auch einen Bereich ihres Lebens so gestalten können, wie sie ihn haben wollen. Choriosity hat mit Monty einen tollen Chorleiter, aber organisieren tut sich der Chor selbst. Es gibt viele kleine Gruppierungen, die sich unaufhörlich tolle Aktionen, Konzerte, Projekte überlegen, und die dann auch einfach durchziehen. Und es macht so unfassbar viel Spaß ein Teil davon zu sein, und es macht so unfassbar noch viel mehr Spaß zu sehen, wie die eigenen Visionen ins Leben gerufen, von anderen mitgetragen und unterstützt werden, und am Ende Gestalt annehmen.

Choriosity ist eine Empowerment-Maschine.

Unser derzeit größtes Projekt steht im April an – eine Konzertreise nach New York mit Teilnahme an einem riesen A-Cappella-Projekt. Das ist wahnsinnig und tollkühn. Als es konkret wurde, dass wir dieses Projekt angehen, habe ich mir an den Kopf gelangt und gleichzeitig geschmunzelt – weil irgendwie war klar, dass dieser Haufen Menschen einfach mal eben den Berserk-Modus anschaltet und alle Ressourcen aktiviert, um fucking 100 Leute nach New York zu fliegen, ihnen ein wahnsinns Projekt zukommen zu lassen, und sie wieder nach Hause bringt. Wir haben mehr Geld gesammelt als ich jemals in meinem ganzen Leben besessen habe, um das zu ermöglichen. Choriosity hat mal wieder einen echten Choriosity-Move ausgepackt und es einfach mal gemacht.

Es scheint zu klappen.

Klar fehlt noch Geld – wir sind Teil des CVJMs, das ist ein Verein, und wir sind Ehrenamtliche, da fehlt einfach immer Geld. Jeder, der sich selbst engagiert, weiß, dass man oft hin und her gerissen ist zwischen „Das wär so geil“ und „Ach du schande, das können wir uns niemals leisten“.

Aber vertraut mir, wenn ich euch sage: Diese Leute, dieser Chor, hat es verdient, dass jeder von ihnen, der will, auch nach New York kann.

Falls ihr grade Geld übrig habt, könnt ihr es hier für uns spenden:

www.betterplace.org/p50394

(Oder ihr spendet für eins der anderen tollen Projekte auf Betterplace, gegen Trinkwasser für Angola kann man wirklich nichts sagen…)

Und falls ihr kein Geld übrig habt, könnt ihr uns bei der Aktion „Scheine für Vereine“ von Donau3Fm unterstützen, indem ihr mit allen euren E-Mail-Adressen für uns abstimmt und dann noch allen euren Freunden davon erzählt:

http://donau3fm.choriosity.de

(Der Gewinner bekommt 3000€, und das wäre einfach wunderschön.)

 

 

Bei einem unserer letzten Konzerte durfte ich mein Lieblingslied anmoderieren, das ist „You’re the Voice“ von John Farnham. Dieses Lied passt so sehr zu uns und unserer Vision, dass es mir regelmäßig die Tränen in die Augen treibt. Und weil es auch zu diesem Blogpost passt, hier noch ein paar Gedanken daraus:

 

Das alles hier sind junge Menschen in einer wirklich beängstigenden Zeit. Wir sind alle in der furchtbaren Situation, uns jeden Tag mit dem Fakt auseinander setzen zu müssen, dass einige unserer Mitmenschen scheinbar aus der Vergangenheit nichts gelernt haben. Wir müssen einen stetig wachsenden Hass beobachten, dem man dank der sozialen Medien überhaupt nicht mehr entgehen kann, und dem wir scheinbar wehrlos gegenüberstehen. Heuchelei und Unmenschlichkeit sind auf einmal wieder salonfähig geworden, und niemand kann sich so recht erklären, wie das passieren konnte. Das macht vor allem Angst.

In solchen Zeiten ist es wichtig, genau diesen Menschen hier eine Botschaft zu hinterlassen. Diese Botschaft lautet: Ihr habt eine Stimme. Jeder Einzelne von Ihnen, der heute Abend hier spendet, und jeder Einzelne, der schon gespendet hat, bekräftigt das. Hier vor Ihnen stehen 100 junge Menschen, die ihre Stimme benutzt haben und so tollkühn waren, ein wirklich unerhörtes Projekt in Angriff zu nehmen. Sie haben geholfen, 100 jungen Erwachsenen zu zeigen, dass sie nicht leise sein müssen.

Was passiert, wenn dieses Projekt Wirklichkeit wird?

Was wir machen, ist im besten Fall eine Konzertreise nach New York.

Was wir zeigen, ist, welchen Unterschied Engagement und Hingabe machen können.

Was wir sind, sind junge Erwachsene, die wissen, nicht nur ahnen, sondern wissen, dass sie die Power haben, powerful zu sein. Und auf einmal alles andere sind als wehrlos.

We’re not gonna sit in silence.

We’re not gonna live in fear.

Dieses Jahr sind Bundestagswahlen.

You’re the Voice.

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