Die Couch ist aus Leder, ihre Hose kurz und wo die nackte Haut aufliegt, klebt sie an. Ihr ist warm, und das quirlige Kleinkind auf ihrem Schoß macht es nicht unbedingt besser. Auf ihren Oberschenkeln windet es sich, zeigt mit dem einen kurzen Zeigefinger in die Ferne, wedelt mit der anderen Hand, ein Buch im kleinen festen Griff. Im Buch steht kein Wort – nur große, freundlich dreinblickende Tiere befinden sich darin, die darauf warten, dass mit einer weichen kleinen Handfläche Spucke in sie einmassiert wird, die in den meisten Fällen versetzt ist mit Kekskrümeln für bessere Haftung.
Sie schwitzt unter den Achseln, unter den Brüsten und im Schritt, sie riecht ihren eigenen Schweiß und den weichen Wollmilchduft des Babyflaums unter ihrem Kinn, und wie sie es bettet auf die zarte Haut des Kleinkindkopfes, wandert ihr Blick über die Couchlehne hinweg und aus dem Fenster hinaus. Bergpanorama. Ein Sonnentag. Grüne Auen und puderblauer Himmel. Mitten darin:
Ein Paraglider.
dreht Spiralen auf Kissen aus warmer Luft, segelt dahin, schwebt, die Beine ausgestreckt, wer weiß, wie lange noch, wer weiß, wohin –
Sie blinzelt. Ein weicher Kopf donnert sich gegen ihr Kinn. Sie blinzelt fester, schließt die Arme um das Kind. Sieht genauer hin: So viele Schnüre an diesem Gleitschirm, so viel Ausrüstung an diesem Menschen; komisch, dass man sich anleinen muss, um Fliegen zu können, denkt sie, wie frei kann man noch sein, wenn man abhängig ist von Wetter und Wind, denkt sie, wenn man nur landen kann, wo es erlaubt ist und starten kann wo es geht, wie frei ist man, fragt sie sich, wenn man jederzeit damit rechnen muss, abzustürzen und sich zu verletzen, wie frei ist –
Er dreht sich noch einmal
Vielleicht ist der Paraglider auch eine Frau, denkt sie
Wahrscheinlich nicht, denkt sie
Und lacht